Von 1872 bis in die Gegenwart

Unsere Geschichte

150-jährige Geschichte der Frisia

Als Zeichen des gestiegenen Ansehens der Frisia wurde vor allem auf Betreiben des AH Christian Boje aus Altona in der Muhliusstraße 60 das erste Verbindungshaus erworben und am 11. November 1911 eingeweiht. Man betrachtete dieses Ereignis als einen letzten Schritt in der Entwicklung der Verbindung, da nun endgültige Selbständigkeit und ein eigener Mittelpunkt im Verbindungsleben erreicht waren. Kriegsbedingt ruhte das Verbindungsleben bis 1919 – immerhin waren 90 der damals 136/ 172 Friesen eingezogen worden, von denen 16 im Krieg gefallen sind.

Die Frisia im Dritten Reich und ihre Auflösung Nach der Niederlage im 1. Weltkrieg wurde die Studentenschaft insgesamt politischer als bis dahin, in der Zeit der Weimarer Republik getragen vom Gram über den politischen Abstieg des Deutschen Reiches, die Abtrennung Nordschleswigs und den Zuwachs an gesellschaftlicher Bedeutung der Arbeiterklasse und mit deutlicher Kritik an den damaligen Regierungen. Der Gleichschaltungspolitik der dann folgenden NSDAP widersetzten sich die Friesen bis zum WS 1934/35, wo auf Geheiß des NS-Studentenführers das Haus in der Muhliusstraße in eine Erziehungsgemeinschaft und Wohnkameradschaft mit Führerprinzip und politischer Schulung umgewandelt und der traditionelle Altherrenausschuss aufgelöst wurde, wobei aber die Altherrenschaft bestehen blieb. Die Friesen mussten im Gegensatz zu anderen Corporationen keine fremden Studenten aufnehmen, sondern belegten sieben Betten mit eigenen Mitgliedern. § 1 der Statuten erhielt als Ergänzung die Formulierung der „Kameradschaft“ und der § 2 formulierte diplomatisch und für die Entwicklung der Frisia in der Nachkriegszeit vorteilhaft mit den Worten: „Als schleswig-holsteinische Heimatverbindung tritt sie für die Wahrung schleswig-holsteinischer Eigenart ein. Die Erhaltung der niederdeutschen Sprache und die Förderung aller Bestrebungen zur Pflege schleswig-holsteinischen Geisteslebens gehören zu ihren vornehmsten Grundsätzen.“ Der zunehmende Druck führte im WS 1935/36 zum erzwungenen Austritt und Übertritt von NS-Parteimitgliedern zum NS-Studentenbund und schließlich nach ausdrücklicher Aufforderung von Seiten des Rektorats und der Studentenschaftsführung zur Auflösung als letzte noch verbliebene Kieler Verbindung am 29. Februar 1936. Damals gab es im 64. Verbindungsjahr bzw. nach 128 Semestern 277 Mitglieder, von denen 86 bereits verstorben waren.

Im Jahre 1937 zog die nationalsozialistisch geführte Kameradschaft „Friesland“ bis zur Kapitulation Deutschlands 1945 in die Muhliusstraße 60 ein, der sich aber nur wenige der „alten“ Friesen anschlossen. Die meisten lehnten eine Mitarbeit ab, denn jene Kameradschaft konnte nur äußerlich durch Namen und Adresse mit der Frisia in Verbindung gebracht werden.  Bis in die letzten Kriegsjahre hinein wurden weiterhin Verabredungsmensuren gefochten.

Der Neubeginn nach 1945 bis heute Nach der deutschen Kapitulation im Mai 1945 mussten die Friesen zunächst das Misstrauen der britischen Besatzungsbehörde beseitigen, die Corporationen als Instrument hochnationalsozialistischer Studentengruppen betrachteten. Zudem war das Verbindungshaus völlig zerbombt. Der Universitätsbetrieb war am 27. November 1945 unter schwierigsten Bedingungen wieder angelaufen. Aber würde sich eine von einer fehlgeleiteten Ideologie missbrauchte und betrogene und desillusionierte Generation zu einer Frisia hingezogen fühlen, deren Prinzipien doch Idealismus, Opferbereitschaft und Gemeinschaftsgeist forderte, von denen bei den jungen Studenten wohl kaum noch etwas übriggeblieben war? Und dennoch: Im Haus der Familie Hell im Niemannsweg 103 konnten einige Altherren-Söhne bei „Vadding“ (Ferdinand Hell) und seiner Gattin „Mudding“ im legendären „Friesenkeller“ erste gemeinsame Kneipen abhalten und am 6. August 1946 unter „Vaddings“ Leitung das historische Gründungsprotokoll verfassen, das an die britische Militärregierung mit dem Bittgesuch, eine „Niederdeutsche Studentenvereinigung“ zusammenzustellen, weitergeleitet wurde. Dabei war die 1934 in Abgrenzung zu den Nazis erfolgte Formulierung des § 2 des Friesenstatutes und die Abkehr vom Paukwesen hilfreich. Am 22. November 1948 gab der Haupterziehungs-Kontroll-Offizier des Landes Schleswig-Holstein, James Ward, der Frisia als erster Kieler Corporation die Erlaubnis, ihren Verbindungsbetrieb wieder aufzunehmen. Halb legal hatten die Friesen schon zwei Jahre lang wichtige Vorbereitungen geleistet, denn von 1946 – 1955, also bis zur Errichtung des neuen Friesenhauses in der Beslerallee 22, offerierte Vadding Hell in seinem Hause den „Friesenkeller“ und einige Studentenzimmer. Die weiterhin schwarze Frisia hielt sich fern von Corporationsverbänden, war nicht streng landsmannschaftlich orientiert und fortan nichtschlagend. Stattdessen zog der Segelsport als verbindendes Element in die Frisia ein. Bereits im SS 1947 übergab F. Hell den Aktiven die Segelyacht „Frisia“. Sie war das erste von bis heute 5 folgenden Booten, der Frisia II, III, IV und V sowie einer Piraten- und einer Conger-Jolle (Lütt Frisia I und II). Für den Umgang mit den Mitgliedern der Kameradschaft Friesland wurden Regelungen gefunden. Und nach 14 Monaten Bauzeit konnte das unter Leitung von F. Hell errichtete neue Friesenhaus auf dem von ihm erworbenen Grundstück in der Beselerallee 22 am 8. Oktober 1955 zur Benutzung freigegeben werden. Zwölf Aktive bezogen neben einem Hausmeisterehepaar das neue Haus. Dieses erlebte im Jahr 1980 einen weitreichenden Um- und Anbau und insgesamt zwei weitere Hausmeister, bis schließlich die Aktivitas vorschlug, auf Hausmeister künftig zu verzichten, um das Haus in Absprache mit dem Altherren-Hauswart weitgehend in Eigenregie zu bewirtschaften und den gewonnenen Wohnraum an zusätzliche Aktive zu vermieten.

2022 wurde das 150-jährige Stiftungsfest gefeiert, ein weiterer Meilenstein im Fortbestehen der Frisia.

Im Jahr 2023 wurde ein Leitbild beschlossen, das die weitere Entwicklung der Frisia festhält. In diesem Zuge erfolgte auch die Öffnung zum Gemischtbund. Seither steht die Verbindung Studierenden unabhängig vom Geschlecht offen und führt dabei ihre bisherigen Grundsätze und Traditionen fort.